Frühe Hilfen Südtirol

Projekt 14.1.2022 Teilen

Bild: Autonome Provinz Bozen - Südtirol

Die Geburt eines Kindes stellt eine große Veränderung im Leben dar. Die Freude über ein Baby wird manchmal von Sorgen, Fragen und Nöten begleitet. Dann kann schnell ein Gefühl entstehen, allein und hilflos zu sein. Eine bedarfsgerechte und zeitnahe Unterstützung der Eltern ist somit besonders wichtig. 

Von 2014 bis 2024 hat das Forum Prävention den Aufbau und die Implementierung der Frühen Hilfen in Südtirol begleitet. Seit 2024 sind die Frühen Hilfen in Bozen und in allen Bezirksgemeinschaften Südtirols aktiv. 

Was sind die Frühen Hilfen?

Was sind die Frühen Hilfen?

Frühe Hilfen richten sich an Kinder in den ersten Lebensjahren und deren Eltern. Ziel ist, eine langfristige und nachhaltige gesunde Entwicklung des Kindes zu fördern bzw. die Lebensbedingungen von Kleinkindern und deren Eltern zu verbessern. Unter Berücksichtigung der Ressourcen und Belastungen von Familien sollen die Frühen Hilfen eine niederschwellige und bedarfsorientierte Unterstützung aller Familien bieten. Jene Familien, die sich in belastenden Lebenssituationen befinden, sollen besondere Aufmerksamkeit erhalten.
 
Das Aufgabenspektrum der Frühen Hilfen umfasst:
  • alltagspraktische Unterstützung
  • Informationsvermittlung über Entwicklung, Bedürfnisse und Verhalten von Säuglingen und Kleinkindern
  • Förderung der Beziehungs- und Erziehungskompetenzen
  • Vermittlung von passgenauen Hilfen
  • Stärkung der sozialen Netzwerke von Familien.
Frühe Hilfen basieren auf einer interdisziplinären Zusammenarbeit des Sozial- und Gesundheitsbereiches, sowie dem Erziehungs- und Bildungsbereich. Das zivilgesellschaftliche Engagement stellt eine zusätzliche, bedeutsame Ressource für die Frühe Hilfen dar.

Wo gibt es die Frühen Hilfen in Südtirol?

Wo gibt es die Frühen Hilfen in Südtirol?

Die Frühe Hilfen sind in Bozen und allen Bezirksgemeinschaften Südtirols zu finden: Burggrafenamt, Eisacktal, Pustertal, Überetsch-Unterland, Salten-Schlern, Vinschgau und Wipptal. Die Kontaktdaten finden Sie auf der Webseite der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol

Durch die Kontaktaufnahme mit dem zuständigen Frühe-Hilfen-Team erhalten werdende Eltern und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren Informationen über vorhandene Angebote, Unterstützung im Umgang mit Neugeborenen und Kleinkindern sowie direkte Hilfestellung im familiären Alltag bei praktischen Fragen und in Stresssituationen. Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den Familien die optimalen Lösungen für ihre Bedürfnisse zu finden.

Zögern Sie nicht und kontaktieren Sie die Frühen Hilfen bei Ihnen vor Ort! Das Angebot ist kostenlos. 
 

Entwicklung und Umsetzung der Frühen Hilfen Südtirol

Entwicklung und Umsetzung der Frühen Hilfen Südtirol

In den Jahren 2014 bis 2016 führte das Forum Prävention das Forschungsprojekt Frühe Hilfen Südtirol durch. Ziel war es, den Bedarf an Maßnahmen im Bereich der Frühen Hilfen zu erheben und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen zur verbesserten Unterstützung von Eltern und ihren Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren zu formulieren. Zentrales Ergebnis des Projekts sind ein umfassender Forschungsbericht sowie ein Kurzbericht.

Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde im Zeitraum von 2017 bis 2019 der Aufbau von Frühe-Hilfen-Systemen in zwei Einzugsgebieten erprobt: in einem städtischen Kontext (Don Bosco/Bozen) und in einem ländlichen Raum (Bruneck/Pustertal). Die Projektkoordination lag bei der Abteilung Soziales (Amt für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion) sowie beim Südtiroler Sanitätsbetrieb. Das Forum Prävention war mit der fachlichen Begleitung und der Evaluation des Pilotprojekts beauftragt.

Die Pilotphase verfolgte folgende Ziele:
  • eine bessere Vernetzung bestehender Angebote im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich im Sinne der Frühen Hilfen,
  • die Stärkung des präventiven Ansatzes der Frühen Hilfen durch eine intensivere interprofessionelle Zusammenarbeit,
  • den Ausbau der Früherkennung sozialer, gesundheitlicher, psychischer oder finanzieller Belastungen,
  • die bedarfsgerechte und passgenaue Begleitung von Familien in belastenden Lebenssituationen.
Die Evaluierung des 2019 abgeschlossenen Pilotprojekts, dokumentiert im Frühe Hilfen Abschlussbericht, bildete die Grundlage für die Entwicklung eines Organisationsmodells. Dieses wurde mit Beschluss der Landesregierung Nr. 493 vom 8. Juni 2021 genehmigt und stellte die Basis für die landesweite Implementierung der Frühen Hilfen in Südtirol dar.

Zwischen 2019 und 2024 wurde das Modell schrittweise umgesetzt und an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten angepasst. Im Jahr 2024 konnte eine vollständige landesweite Abdeckung erreicht werden. Die Frühen Hilfen sind damit zu einem festen Bestandteil der sozial- und gesundheitspolitischen Angebotslandschaft Südtirols geworden.

Im Auftrag des Südtiroler Sanitätsbetriebs und der Abteilung Soziales begleitete das Forum Prävention diesen Implementierungsprozess und übernahm dabei folgende Aufgaben:
  • Coaching und Beratung der Einzugsgebiete,
  • Unterstützung der Koordinator:innen der Frühe-Hilfen-Teams,
  • Organisation von Austauschtreffen auf Landesebene,
  • Vorbereitung und Moderation operativer Sitzungen,
  • Planung und Durchführung von Fortbildungs- und Informationsveranstaltungen,
  • Schaffung von Austausch- und Reflexionsräumen für Fachpersonen,
  • Netzwerkarbeit auf nationaler und internationaler Ebene.
Die Prozessbegleitung durch das Forum Prävention wurde Ende 2024 abgeschlossen.

Zur Darstellung der erzielten Ergebnisse und des gemeinsamen Entwicklungsprozesses organisierte das Forum Prävention im Jahr 2024 die Fachtagung „Fokus auf die Lebensbedingungen von Familien“ im Haus der Familie in Lichtenstern (Ritten). Die Tagung brachte alle an der Implementierung der Frühen Hilfen beteiligten Akteur:innen zusammen und bot Beiträge internationaler Expert:innen.

Bedeutung der Vernetzung in den Frühen Hilfen

Bedeutung der Vernetzung in den Frühen Hilfen

Die Netzwerkarbeit ist von Beginn an eine zentrale Säule der Frühen Hilfen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Diensten, Fachpersonen und Institutionen bildet die Grundlage beim Aufbau eines wirksamen Unterstützungsnetzes für Familien. Wissenserweiterung, Erfahrungsaustausch und gegenseitiges Lernen tragen wesentlich zur Qualitätssicherung, zur fachlichen Weiterentwicklung und zur Stärkung der interprofessionellen Zusammenarbeit bei.

Wesentliche Bausteine der Vernetzung sind:
  • die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit in den Frühe-Hilfen-Teams,
  • Netzwerktreffen in jeweiligen Einzugsgebieten,
  • landesweite Austauschtreffen der Frühe-Hilfen-Teams,
  • landesweite Netzwerktagungen für alle beteiligten Fachkräfte.
Internationale Vernetzung
Bereits in der Pilotphase orientierten sich die Frühen Hilfen in Südtirol an bewährten Modellen in Österreich und Deutschland, wo seit vielen Jahren Nationale Zentren für Frühe Hilfen bestehen. Auch die Schweiz und Liechtenstein haben entsprechende Entwicklungsprozesse angestoßen.
Der fachliche Austausch mit diesen Ländern führte zur Etablierung jährlich stattfindender internationaler Netzwerktreffen mit dem Ziel, Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsame Qualitätsstandards weiterzuentwickeln. Ein Meilenstein war die erste internationale Fünf-Länder-Fachtagung Frühe Hilfen im März 2019 in Vorarlberg mit über 300 Fachpersonen aus dem Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich.
Ergänzend wurde der internationale Austausch durch Studienbesuche vertieft, unter anderem beim Netzwerk Familie in Vorarlberg und bei den Frühen Hilfen im Landkreis Ortenau (Baden-Württemberg). Diese Impulse trugen wesentlich zur Weiterentwicklung der Frühen Hilfen in Südtirol bei.
Bild: Freepik

Forschungsberichte zu den Frühen Hilfen Südtirol zum Downloaden

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Organisationsmodell Frühe Hilfen Südtirol

21.12.2021

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Abschlussbericht 2020 Frühe Hilfen Südtirol

20.12.2021

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Kurzbericht Forschungsprojekt Frühe Hilfen Südtirol

31.3.2017

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Forschungsbericht 2016 Frühe Hilfen Südtirol

28.3.2017

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Guter Start ins Leben

7.3.2017

Beitrag von Maren Schöpf über frühkindliche Bindung auf RAI ...

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