Sexismus und sexistische Diskriminierung

Info 31.5.2020 Facebook Teilen
Sexistische Diskriminierung

Was ist Sexismus und sexistische Diskriminierung?

Sexismus bzw. sexistische Diskriminierung bezeichnet jede Form der Benachteiligung, Ungleichbehandlung, Abwertung oder Angriffs, die eine Person aufgrund ihres biologischen Geschlechts erlebt. Sexismus fußt wie andere „Ismen“ auf der Überzeugung, dass manche Menschen anderen überlegen sind. Diese Überzeugung zeigt sich beim Sexismus in Handlungen, Gesten und in einer sexistischen Sprache. Sexismus kann Männer und Frauen betreffen. Dabei unterscheidet sich aber die Art und Weise des Sexismus von welchem Frauen und Männer betroffen sind. Sexismus trifft Frauen im Allgemeinen stärker als Männer.



 

Was ist Sexismus im Konkreten?

Was ist Sexismus im Konkreten?

Sexistische Diskriminierung/sexistische Verhaltensweisen können vielfältig sein. Teilweise sind sie so stark in unsere Gesellschaft und Kultur integriert, dass sie schwer zu enttarnen sind. Zudem geschieht Sexismus nicht nur zwischen Menschen, auch Institutionen können Sexismus befördern.
Sexismus existiert in den unterschiedlichen Lebensbereichen. Es gibt Sexismus am Arbeitsplatz, im Privatleben, in Werbung und Fernsehen, in den Sozialen Medien, beim Sport, in der Politik usw. Besonders im Arbeitsleben erfahren Frauen vielfach noch andere Bedingungen als Männer. Sie sind in Führungspositionen unterrepräsentiert und erhalten mancherorts geringere Einkommen. Auch unbezahlte Arbeiten im Haushalt werden vermehrt von Frauen ausgeführt. Aber auch Männer erleben Nachteile. Zum Beispiel dann, wenn ihnen eingeredet wird, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen. Oder, wenn sich ein Vater in Elternzeit Scherze darüber von seiner Umgebung anhören muss.
Sexismus spielt bereits in der Kindheit eine Rolle. Erkennbar ist er daran, dass von Mädchen erwartet wird, dass sie folgsam, zurückhaltend und empathisch sind. Jungen hingegen dürfen auch wild und laut sein, eine Auseinandersetzung mit anderen wird hier als „normaler“ eingestuft, als es bei Mädchen der Fall ist.
Beispiele für Sexismus sind:
  • Überflüssige Nacktheit in Werbeanzeigen
  • Stellenanzeigen, die nur an ein Geschlecht gerichtet sind
  • Der Ausschluss von Frauen für Führungspositionen, aufgrund stereotyper Eigenschaftszuordnungen („sind zu sanft, schwach und unterordnend für eine Führungsposition“)
  • Das Abpfeifen einer jungen Professorin, wenn sie den Hörsaal betritt
  • Das ständige Unterbrechen oder Ignorieren einer Frau/von Frauen in geschäftlichen Meetings
  • Sexistische Witze, welchen Frauen auf stereotype Eigenschaften reduzieren
  • fehlendes Gendern bei Anreden/in Artikeln usw.
  • Schuldzuschreibungen an Frauen, die Opfer sexualisierter Gewalt geworden sind
  • das Sprechen über Aussehen und Outfit von Politikerinnen
  • Lehrbücher die bevorzugt Frauen im häuslichen und Männern im geschäftlichen Umfeld zeigen
  • Abwertung von Männern, die einen „typisch weiblichen Sport“ ausführen
  • Systematisches Schenken von „männlichen“ und „weiblichen“ an Jungs bzw. Mädchen

Woher kommt Sexismus?

Das Geschlecht, mit dem wir geboren werden, hat großen Einfluss auf Erfahrungen, Erwartungen und Erleben unseres Daseins. Sexismus beginnt bei den Eigenschaften (positive und negative), die eine Gesellschaft ihren Frauen und Männern zuschreibt. Diese Geschlechtsstereotype haben einen Einfluss darauf, was von einzelnen Frauen und einzelnen Männern erwartet wird. Ein solches Geschlechtsstereotyp ist z.B. aktiv, wenn jemand denkt, dass Frauen zu weich sind, um in Führungspositionen arbeiten zu können, oder Männer zu dominant, um sich in einem weiblichen Team einzuordnen.

Die unterschiedlichen Formen von Sexismus

Moderner Sexismus
Als Modernen Sexismus bezeichnet man das Leugnen von Sexismus, Situationen der Ungleichbehandlung sowie der Notwendigkeit von Maßnahmen, um Gleichbehandlung herzustellen. Maßnahmen, die getroffen werden, um Sexismus zu verringern werden deshalb abgelehnt, lächerlich gemacht und als sinnlos benannt. Dies ist bspw. der Fall, wenn eine Frauenquote in der Politik abgelehnt wird, mit der Argumentation, dass diese doch gar keine Benachteiligung beim Zugang erfahren würden. Moderner Sexismus kann von Frauen und Männern Zustimmung erfahren.

Feindlicher/hostiler Sexismus
Der feindliche oder hostile Sexismus zeichnet sich durch eine negative Sichtweise auf Frauen aus. Es wird dabei davon ausgegangen, dass Männer ihre Macht- und Statusposition verdient hätten bei gleichzeitiger Angst, diese an die Frauen zu verlieren. Der Sexismus und die Ablehnung zeigt sich hier sehr offen.

Benevolenter Sexismus
Der benevolente Sexismus zeichnet sich dadurch aus, dass die sexistischen Verhaltensweisen positiv sind, die Frauen jedoch gleichzeitig abwerten. Diese vermeintlich positiven Handlungen werden nur deshalb den Frauen angeboten, weil sie Frauen sind und deshalb als schwächer, hilfsbedürftiger oder auch weniger begabt in bestimmten Bereichen angesehen werden. Diesen Handlungen liegt also die Meinung zugrunde „sie könnten es alleine nicht“.

Was tun gegen Sexismus?

Was tun gegen Sexismus?

Die feministischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts haben sich für Gleichstellung eingesetzt. Deshalb wählen Frauen heute und gehen einer Arbeit nach, ohne ihren Ehemann um Erlaubnis fragen zu müssen. Dennoch sind sexistische Rollenbilder fest in unserer Gesellschaft verankert. Sexismus heute wird z.B. in der Erziehung, aber auch durch die Medien weitergetragen. Dennoch kannst du etwas gegen Sexismus unternehmen:
  • Sexismus zum Thema machen und darüber sprechen: Bereits mit Kindern kann über Sexismus gesprochen werden. Pädagog*innen nehmen hier eine besonders wichtige Rolle ein. Unter Freund*innen aber auch am Arbeitsplatz kann das Thema angesprochen werden.
  • Sexismus im Alltag benennen: Wirst du aufmerksam auf Sexismus und bemerkst sexistische Verhaltensweisen in deinem Umfeld, dann sprich sie an. Sie sollten nicht „ertragen“ werden.
  • Du machst den Unterschied: Auch du selbst wirst dich hin und wieder dabei ertappen, dass du Stereotype oder Vorurteile gegenüber anderen hast. Hinterfrage diese, suche aktiv nach Gegenbeispielen und versuche sie keinen Einfluss auf deine Handlungen haben zu lassen.

Intersektionalität und Sexismus

Was ist Intersektionalität?
Die Effekte von Sexismus werden verstärkt, wenn bspw. Frauen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Alters, einer Beeinträchtigung, ihrer sexuellen Orientierung oder anderen Merkmalen einer weiteren Gruppe zugeordnet werden, die auch von Diskriminierung betroffen ist. Dann spricht man von Intersektionalität. Verschiedene Diskriminierungsformen stehen hier miteinander in Wechselwirkung.

Wer kann noch von Sexismus betroffen sein?
Intergeschlechtliche Menschen (auch Inter* genannt) sowie Transfrauen und –männer sind von sexistischer Diskriminierung betroffen. Die Nichtbeachtung oder auch Verweigerung der Anerkennung von Inter* oder Trans sind Formen von Diskriminierung. Die Ursache für jegliche sexistische Diskriminierung liegt nicht in den vermeintlich unterschiedlichen Eigenschaften der Geschlechter, sondern vielmehr der stereotypen Zuschreibung von Eigenschaften sowie die rigide Einteilung in Mann und Frau.

Was bedeutet Intergeschlechtlichkeit?

Was bedeutet Intergeschlechtlichkeit?

Intergeschlechtlichkeit auch Inter* genannt, ist ein biologisches Geschlecht.
Das biologische Geschlecht eines Menschen:
Bei oder auch bereits vor der Geburt wird ein Mensch meist anhand der Genitalien einem Geschlecht zugeordnet – meistens männlich oder weiblich. Was viele nicht wissen ist, dass für körperliche Geschlechtsmerkmale nicht nur die Genitalien, sondern auch weitere Ebenen relevant sind:
  • Chromosomen: XX gilt als weiblich, XY gilt als männlich
  • Körpereigene Hormone: vorwiegender Anteil an Östrogen und Progesteron gelten als weiblich, vorwiegender Anteil an Testosteron gilt als männlich
  • Keimdrüsen (Gonaden): Eierstöcke gelten als weiblich, Hoden gelten als männlich
  • Genitalien: Vulva und Vagina gelten als weiblich, Penis gilt als männlich.
Biologische Geschlecht weiblich: Eine Person mit XX-Chromosomen, Vagina, Eierstöcken und überwiegend Östrogen gilt als weiblich.
Biologische Geschlecht männlich: Ein Mensch mit XY-Chromosomen, Penis, Hoden und überwiegend Testosteron gilt als männlich.
Biologische Geschlecht intergeschlechtlich: Ein Mensch bei dem manche der oben genannten Ebenen biologisch männlich und andere biologisch weiblich sind gilt als intergeschlechtlich.  Inter* Menschen werden also mit Variationen der körperlichen Geschlechtsmerkmale geboren.
Alle Körper in eine von zwei Geschlechterschubladen einzuordnen ist folglich nicht möglich!
 
Beachte zudem: das biologische Geschlecht ist nicht zu verwechseln mit der Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung eines Menschen, dessen Spektren sehr breit sind. Klicke auf die Links für mehr Infos darüber!

Wichtige Infos über Intergeschlechtlichkeit im Überblick
  • Inter* ist ein biologisches Geschlecht, keine sexuelle Orientierung und auch keine Geschlechtsidentität
  • An intergeschlechtlichen Körpern ist nichts krank oder fehl am Platz
  • Die Aussage, intergeschlechtliche Menschen hätten ein „uneindeutiges“ Geschlecht ist falsch! Sie sind eindeutig intergeschlechtlich
  • In der Medizin wird häufig das Wort „intersexuell“ verwendet, dieser Begriff wird aber von vielen Menschen abgelehnt, da er eine Diagnose und somit eine Krankheit impliziert
  • Viele Menschen finden erst in der Pubertät, im erwachsenen Alter oder aber auch nie heraus, dass sie intergeschlechtlich sind
Was bedeutet Heteronormativität und was hat dies mit Intergeschlechtlichkeit zu tun?
Die vorherrschende gesellschaftliche Norm, dass jede Person immer nur einer der beiden Kategorien: Mann oder Frau, zuordenbar ist und dass sich Frauen nur Männern hingezogen fühlen und umgekehrt nennt sich Heteronormativität. Hierbei spielt auch das binäre Geschlechtersystem eine Rolle: dieses geht davon aus, dass es nur zwei Geschlechter, nämlich männlich und weiblich, gibt. Es lässt keine anderen Geschlechter oder Zwischenstufen zu.
Unter anderem führt Heteronormativität dazu, dass Intergeschlechtlichkeit tabuisiert und wenig darüber gesprochen wird, aber nicht nur das! Das binäre Geschlechtersystem ist Nährboden dafür, dass die Körper intergeschlechtlicher Babys häufig nach der Geburt durch Operationen und Hormonverabreichungen an medizinische Vorstellungen von männlich und weiblich angepasst werden. Obwohl keine Krankheit besteht, müssen Inter* folglich häufig im Laufe ihrer Leben immer wieder operiert werden und unter Umständen ein Leben lang Hormone nehmen. Manche werden diesbezüglich auch nicht aufgeklärt, denn Eltern von Inter*wird häufig gesagt, sie sollten ihren Kindern nicht Bescheid geben, dass diese Inter* sind.
Die Entscheidung, was mit dem eigenen Körper passiert, wird intergeschlechtlichen Menschen häufig genommen.
Inter* leiden somit meist nicht aufgrund ihres biologischen Geschlechts, sondern vielmehr, weil dieses gesellschaftlich oftmals nicht anerkannt wird.
Konkrete Beispiele

Männern bestimmte Möglichkeiten nicht zur Verfügung zu stellen, ist eine Form von Ungleichbehandlung, die sich vor allem aus gesellschaftlichen Erwartungen ergibt.

Männern bestimmte Möglichkeiten nicht zur Verfügung zu stellen, ist eine Form von Ungleichbehandlung, die sich vor allem aus gesellschaftlichen Erwartungen ergibt.

Markus ist stolzer Vater und nimmt den kleinen Jonas überallhin mit. Das einzige Problem: Er weiß manchmal nicht, wo er ihn wickeln soll, denn in den Männertoiletten gibt es keine Wickeltische.

Männern bestimmte Möglichkeiten nicht zur Verfügung zu stellen, wie z.B. das Fehlen von Wickeltischen in Männertoiletten, ist eine Form von Ungleichbehandlung, die sich vor allem aus gesellschaftlichen Erwartungen ergibt.
 
Markus erzählt

Die Entscheidung Gewalt auszuüben, liegt immer in der Verantwortung der Täter*innen...

Die Entscheidung Gewalt auszuüben, liegt immer in der Verantwortung der Täter*innen...

Die Lokalzeitungen berichten von der sexuellen Belästigung einer Frau. In Franziskas Büro wird gemunkelt: „Sie trug einen Minirock, also ist sie teilweise selbst Schuld.“

Wenn Männer glauben, sie seien überlegen und hätten das Recht Frauen mit Worten, Gesten oder Taten zu belästigen, ist das Sexismus. Es ist jedoch auch sexistisch, der Frau und ihrem Verhalten die Schuld für einen Angriff zuzuschreiben. Die Entscheidung Gewalt auszuüben, liegt immer in der Verantwortung der Täter*innen.
 
 
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