Mein Kind raucht

Info 24.8.2021 Facebook Teilen

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Ein paar Tipps für Eltern und Erziehende

Für Eltern ist es in der Regel eine unangenehme Überraschung, wenn sie erfahren, dass ihr Kind raucht. Eindringliches Hinweisen auf die Gesundheitsrisiken und Vorwürfe bringen meist nichts, sondern lösen oft Widerstand aus. Ebenso bewirken strenge Kontrollen oder Strafen nicht den gewünschten Effekt und belasten die Eltern-Kind-Beziehung.

Als erstes: Versuchen Sie Ruhe zu bewahren

Angst, Ärger und Enttäuschung sind verständliche Reaktionen, längerfristig bringen sie Sie nicht weiter. Daher ist es hilfreich, wenn der erste Ärger sich gelegt hat, so sachlich wie möglich mit der Situation umzugehen. Besprechen Sie die Situation mit Ihrem Kind und versuchen Sie dabei auch zuzuhören, was es selbst dazu zu sagen hat.

Ich habe eine starke Vermutung, dass mein Kind raucht

Häufig haben Eltern erst einmal nur einen Verdacht, dass ihr Kind raucht. Sie haben aber bisher noch nicht mit ihm darüber gesprochen und wissen nicht, wie sie dieses Thema am besten ansprechen können.

Ein paar Tipps
  • Versuchen Sie, einen günstigen Moment für das Gespräch zu finden und planen Sie auch etwas Zeit ein.
  • Sprechen Sie eventuelle Beobachtungen an und welche Vermutung Sie daraus ableiten. Diese sollte aber nicht wie ein Vorwurf oder eine Anschuldigung klingen, sondern wie eine persönliche Feststellung.
  • Hören Sie sich an, was Ihr Kind dazu sagt und nehmen Sie dies erst einmal zur Kenntnis. Sollte Ihr Kind einräumen, dass es raucht, lesen Sie im nächsten Abschnitt weiter.
  • Falls es jedoch abstreitet zu rauchen, machen Sie kein Verhör aus dem Gespräch. Legen Sie allerdings klar Ihre Position dar, dass Sie keinesfalls damit einverstanden sind, wenn sich dennoch herausstellen sollte, dass Ihr Kind raucht oder beabsichtigt, mit dem Rauchen zu beginnen.
  • Bleiben Sie dabei freundlich und bestimmt, so dass klar ist, dass es Ihnen ernst ist. Erklären Sie ihm, dass es dabei nicht um elterliche Macht sondern um elterliche Fürsorge geht.
  • Teilen Sie Ihrem Kind mit, dass Sie ihm vertrauen, das Thema aber weiter gegenwärtig halten und bei Bedarf wieder mit ihm sprechen werden.

Ich habe Gewissheit, dass mein Kind raucht

Liegt es offen auf der Hand, dass Ihr Kind raucht, weil es eindeutige Hinweise gibt oder weil es selbst Ihnen mitgeteilt hat, dass es so ist:
  • Besprechen Sie das Thema mit Ihrem Kind in einem passenden Moment.
  • Versuchen Sie ruhig zu bleiben und die Situation so sachlich wie möglich anzugehen.
  • Das schließt nicht aus klar zu sagen, dass Sie gegen das Rauchen sind und es Ihnen wichtig ist, dass Ihr Kind mit dem Rauchen aufhört.
  • Versuchen Sie aber auch, die Gründe Ihres Kindes für das Rauchen zu verstehen. Wo sieht Ihr Kind den persönlichen Nutzen darin? Hören Sie unvoreingenommen zu und versuchen Sie zu verstehen, welche Bedürfnisse eventuell dahinterstehen könnten.
  • Tauschen Sie gegenseitiges Wissen über das Rauchen aus: Was weiß Ihr Kind über das Rauchen und seine Wirkungen und Folgen? Welche zuverlässigen Informationen haben Sie, die Sie ihm eventuell zur Verfügung stellen können? Bleiben Sie dabei auf Augenhöhe.
  • Regen Sie ein Nachdenken bei Ihrem Kind an: Was würde es dazu bringen, mit dem Rauchen aufzuhören? Wo sieht es selbst Nachteile? Wie könnte es eventuell Alternativen zum Rauchen finden?
  • Bieten Sie Unterstützung an: Was würde es brauchen, damit Ihr Kind mit dem Rauchen aufhört? Gibt es die Möglichkeit eines realistischen Handels, einer Belohnung, wenn Ihr Kind mit dem Rauchen aufhört?
  • Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrem Kind, wie es jetzt weitergehen soll und kündigen Sie an, dass Sie auf diese Vereinbarung zurückkommen werden.

Warum beginnen junge Menschen überhaupt mit dem Rauchen?

Viele Erwachsene äußern ihr Unverständnis darüber, dass junge Menschen mit dem Rauchen beginnen, obwohl die zahlreichen Nachteile und die gesundheitlichen Folgeschäden mittlerweile allen bekannt sind. Bestimmte Argumentationen wie Gruppendruck oder Nicht-Nein-Sagen-Können werden gerne zur Erklärung herangezogen. Solche einfachen Erklärungen reichen bei genauerem Hinsehen allerdings nicht aus, um einen Einstieg ins Rauchen zu begründen. Vielmehr wird dem Rauchen vom Jugendlichen selbst ein persönlicher Nutzen oder eine Funktion zugeschrieben, beispielsweise:
  • Erfahren der Wirkung, die man bei anderen (erwachsenen) Raucher*innen beobachtet
  • Teilhabe an der Welt der Erwachsenen
  • Bildung einer (Erwachsenen-)Identität
  • Erleben von Autonomie und Selbstbestimmtheit
  • Erleichterung der Kontaktaufnahme zu Gleichaltrigen
  • Übernahme von Rollenstereotypen
  • Strategie zur Problemlösung oder Stressminderung
Welche individuellen Funktionen das Rauchen für die*den Einzelne*n hat, kann man versuchen, in einem gemeinsamen Gespräch herauszufinden.

Ich rauche selbst. Darf ich meinem Kind das Rauchen überhaupt verbieten?

Eltern, die selbst rauchen, befinden sich in einer moralischen Zwickmühle: Wie kann ich gegen etwas sein, das ich selbst mache? Jede Argumentation kann zudem ausgehebelt werden: „Was willst du mir schon sagen, du rauchst ja selbst!“

Ein paar Hinweise:
  • Sprechen Sie darüber, was Ihnen selbst nicht passt an Ihrem eigenen Rauchverhalten. Wenn Sie ein bisschen darüber nachdenken, fallen Ihnen sicher einige Nachteile des eigenen Rauchverhaltens ein.
  • Erzählen Sie von eventuellen Versuchen in der Vergangenheit, mit dem Rauchen aufzuhören, und welche Überlegungen Sie dazu bewogen haben, den Rauchstopp zu versuchen.
  • Vermeiden Sie in Anwesenheit Ihres Kindes Äußerungen, die das eigene Rauchverhalten als Genuss erscheinen lassen.
  • Vielleicht können Sie die Gelegenheit auch für sich selbst nutzen, um sich mit dem eigenen Rauchverhalten auseinanderzusetzen.

Was es sonst noch zu sagen gibt

Oft ist die Entdeckung, dass das eigene Kind raucht, der unfreiwillige Anlass, um sich mit diesem Thema aktiv auseinandersetzen zu müssen. Eltern können allerdings bereits vorher einiges tun, um nicht sprichwörtlich aus allen Wolken zu fallen:
  • Nutzen Sie alltägliche Situationen, um ganz allgemein mit dem Kind über bestimmte Themen zu diskutieren, die früher oder später sowieso auf den Tisch kommen.
  • Versuchen Sie, generell eine kritische Haltung gegenüber dem Rauchen zu stärken, solange ein eventuelles Experimentierverhalten diesbezüglich noch nicht so ausgeprägt ist.
  • In einem guten Gespräch ist eigenes Zuhören mindestens genauso wichtig wie sprechen. Versuchen Sie, die Sichtweise des anderen zu verstehen, auch wenn Sie nicht unbedingt damit einverstanden sind.
  • Sie kennen Ihr Kind am besten und können auch am ehesten abschätzen, wie Sie es am besten angehen, dass es eventuell interessiert und aufmerksam zuhört.
  • Letztlich ist eine tragfähige Eltern-Kind-Beziehung eine wichtige Grundlage für das Heranwachsen junger Menschen. Versuchen Sie, aus bestimmten Themen keinen Dauerkonflikt werden zu lassen und lenken Sie die Aufmerksamkeit auch auf gemeinsame Interessen, positive Themen und Ressourcen, die auch Ihr Kind sicher hat.
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