Forschung: Traces

Info 20.3.2024 Facebook Teilen

Foto: Forum Prävention

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen aufzeigen, aufarbeiten, vorbeugen

Das sind die Ziele der feministisch-partizipativen Aktionsforschung „TRACES – TRAnsgenerational ConsEquences of Sexual violence“ zu den Langzeitfolgen sexualisierter Gewalt gegen Frauen in Südtirol.
Im Rahmen der dreijährigen Forschung sollen die Langzeitfolgen von Traumata aus sexualisierter Gewalt und ihre transgenerationale Weitergabe in Südtirol untersucht werden, beginnend im Vinschgau. Finanziert von der Provinz Bozen-Südtirol und der Stiftung Südtiroler Sparkasse führen die Universität Trient, medica mondiale, das Forum Prävention und das Frauenmuseum Meran gemeinschaftlich die Studie TRACES durch. Die Forschungsleitung übernimmt Andrea Fleckinger von der Universität Trient. Die Forschung hat zum Ziel, das Kontinuum der Gewalt zu durchbrechen, ein Sprechen über sexualisierte Gewalt zu ermöglichen, einen Beitrag zu leisten, vergangene Gewalterfahrungen gesamtgesellschaftlich aufzuarbeiten und präventiv das Entstehen von neuen Gewaltspiralen zu verhindern. Mit sexualisierter Gewalt sind alle Formen von Übergriffen gemeint, die Frauen entgegen ihrer körperlichen Selbstbestimmung auf ihren Körper reduzieren und demütigen, wie unerwünschte Küsse, erzwungene sexuelle Handlungen, ungewollte Berührungen, Vergewaltigung und vieles mehr.
 
Für die Studie werden Teilnehmer:innen aus dem Vinschgau gesucht. Zielgruppe sind Frauen, die im Vinschgau leben oder dort den Großteil ihres Lebens verbracht und sexualisierte Gewalt erlebt haben, und deren Kinder und Enkel*innen. Die Gespräche sind vertraulich, personenbezogene Daten werden anonymisiert.
Betroffene können sich bei Andrea Fleckinger der Universität Trient melden: 0464 808438 oder andrea.fleckinger@unitn.it

Pressemitteilung vom 19.03.2024

Pressemitteilung vom 19.03.2024

Das Schweigen brechen – Studie “Traces” startet ins zweite Forschungsjahr

Das Team der Studie "Traces” hat am 18.03.2024 alle Stakeholder im Vinschgau eingeladen, um über den aktuellen Stand der Forschung zu berichten und gemeinsam nächste Schritte zu planen. Schon mit 15 Frauen aus verschiedenen Generationen, die entweder selbst oder deren Familienmitglieder, sexualisierte Gewalt erfahren haben, konnte das Team von der Universität Trient, dem Forum Prävention, dem Frauenmuseum Meran und medica mondiale sprechen. Es werden noch weitere Teilnehmerinnen gesucht.

Das Hauptziel der Forschung ist es, gemeinsam mit betroffenen Frauen die Schweigekultur über sexualisierte Gewalt zu durchbrechen, die Aufarbeitung erlebter Gewalterfahrungen anzustoßen und präventiv dem Kontinuum von Gewalt in Familien entgegenzuwirken. Dafür untersucht die Studie die Langzeitfolgen von sexualisierter Gewalt in Familien über drei Generationen hinweg. Nicht aufgearbeitete Traumata können sich durch Familiensysteme ziehen und Spuren hinterlassen. Die Erlebnisse einiger Teilnehmerinnen konnten bereits zeigen, wie sexualisierte Gewalt in den Familien verschwiegen oder bagatellisiert wird und wie sie auch Jahrzehnte später noch in ihrem Alltag auf die Täter treffen, deren Ansehen in den Dörfern teilweise ungebrochen hoch ist. Das partizipative Forschungsdesign von “Traces" sieht ein enges Zusammenarbeiten mit lokalen Diensten vor. Das ermöglicht es, Bedürfnisse vor Ort zu diskutieren, sexualisierter Gewalt auf institutioneller Ebene zu begegnen und das Schweigen darüber nachhaltig zu brechen. So können auch breite Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten erlangt werden. In Erinnerungsrunden haben Bewohnerinnen der Seniorenwohnheime von Laas und Mals beispielsweise wertvolle Einblicke in die Lebensumstände der Frauen im Vinschgau gegeben. Die historischen Lebensumstände, geprägt durch Krieg und daraus resultierenden Traumata, großer Armut, ökonomischen Abhängigkeiten und dem Einfluss von patriarchalen Strukturen wie der katholischen Kirche, sind entscheidende Faktoren, die das Entstehen von sexualisierter Gewalt begünstigt und das Schweigen in den Familien gefördert haben. Ältere Frauen, insbesondere über 80, werden daher ermutigt, ihre Lebensgeschichten mit dem Forschungsteam zu teilen. Ihr Beitrag ist sehr wichtig, um die Erlebnisse der Einzelnen in den gesamtgesellschaftlichen Kontext einzubetten. Es haben sich schon zahlreiche Frauen gemeldet und es werden für die Studie noch weitere Betroffene, ihre Töchter und ihre Enkelinnen gesucht. Die Gespräche finden in einem geschützten Rahmen und durch traumasensibel-geschulte Interviewerinnen statt. Interessierte Frauen können sich für die Teilnahme direkt bei der Leiterin der Studie Andrea Fleckinger unter andrea.fleckinger@unitn.it oder telefonisch unter 0464/808438 melden. Alle Gespräche sind vertraulich, und personenbezogene Daten werden anonymisiert.

Die Universität Trient, die internationale Frauenrechtsorganisation medica mondiale, das Forum Prävention und das Frauenmuseum Meran haben im vergangenen Jahr das gemeinsame Forschungsprojekt "Traces" (TRAnsgenerational ConsEquences of Sexual violence) gestartet. Finanzielle Unterstützung erhalten die Projektpartnerinnen von der Autonomen Provinz Bozen, Abteilung Soziales, sowie von der Stiftung Sparkasse.

Für weitere Informationen stehen Andrea Fleckinger und das Forschungsteam gerne zur Verfügung: Kontakt für die Forschung: Andrea Fleckinger, Universität Trient E-Mail: andrea.fleckinger@unitn.it Telefon: 0464/808438 Kontakt für die Presse: Ingrid Kapeller, Forum Prävention, kapeller@forum-p.it oder 0471 324801