Diskriminierung von Obdachlosen

Info 22.6.2020 Facebook Teilen

Welche Gründe gibt es für Obdachlosigkeit?

Armut und Wohnungslosigkeit sind meist die Folge von schweren Schicksalsschlägen, Arbeitsverlust oder Krankheit. Statt Unterstützung und Halt zu finden, stoßen einige Menschen in diesen Lebenskrisen auf Demütigung und Schuldzuschreibung. Sie bleiben alleine zurück und landen im schlimmsten Fall auf der Straße.

Was bedeutet Diskriminierung von Obdachlosen?

Jegliche Form der Benachteiligung, Herabsetzung und Belästigung von Menschen aufgrund ihrer Obdachlosigkeit, ist eine Form von Diskriminierung.
 

Welche Formen von Diskriminierung erfahren Menschen, die auf der Straße leben?

Obdachlosen fehlt generell ein Rückzugsort und sie sind vermehrt Angriffen ausgeliefert. Selbst auf institutioneller Ebene werden einigen von ihnen Grundlegende Rechte verwehrt. Ein Beispiel dafür ist die Verdrängung aus bestimmten Gegenden, z.B. Innenstädten. Die Annahme, Obdachlose wären weniger wertvoll als andere, weil sie nichts zum Gemeinwohl beitragen würden, führt zu Ausgrenzung und verschiedenen Formen von psychischer und körperlicher Gewalt. Viele werden als „Arbeitsscheue“ und „Asoziale“ abgestempelt, bestimmte Möglichkeiten werden dadurch von vornherein verwehrt.
 

Gibt es Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Obdachlosen?

Weibliche Obdachlose sind weniger sichtbar als männliche, da sie Menschen in der Regel meiden und teilweise an schwer einsehbaren Orten nächtigen. Außerdem bevorzugen sie meist Notunterkünfte und Obdachlosenheime, was sie jedoch nicht immer vor Gewalt oder Missbrauch schützt.

„Housing First“ – Ein Erfolgsmodell im Kampf gegen Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit?

Seit den 1990er Jahren gibt es einen konzeptionellen Ansatz, der bei der Bekämpfung von Wohnungs-und Obdachlosigkeit vielversprechend scheint: „Housing First“. Hierbei wird Menschen die auf der Straße leben, langfristig Wohnraum zur Verfügung gestellt, statt sie in Notunterkünften unterzubringen. Zusätzlich werden sie durch einen mobilen Dienst bei der Rückkehr in einen geregelten Alltag unterstützt. 2013 finanzierte die EU-Kommission eine Studie, welche die Vorteile dieses Modells eindeutig belegt.
In über 80% der Fälle konnte ein langfristiger Wohnungserhalt festgestellt werden, in manchen Ländern gilt das sogar für über 90% der Projektteilnehmer. Außerdem zeigten sich deutliche Verbesserungen rund um Drogenmissbrauch und Psychische Gesundheit.
 

Was wir alle im Kleinen tun können, um Diskriminierungen von Obdachlosen zu vermeiden:

Die Lebensumstände von uns allen können sich jederzeit drastisch verändern. Menschen verdienen unabhängig davon Respekt und Achtung. Hierzu gehört das Unterlassen von Beleidigungen; aber auch kleine Dinge wie zum Beispiel nicht wegzuschauen, wenn uns Obdachlose begegnen oder ab und zu Grüßen.
 

Obdachlose erfahren häufig Gewalttaten körperlicher und psychischer Natur...

Obdachlose erfahren häufig Gewalttaten körperlicher und psychischer Natur...

Karl hat nach einem schweren Schicksalsschlag seine Arbeit und seine Wohnung verloren. Er lebt seit Jahren auf der Straße und die Menschen würdigen ihn meist keines Blickes. Einige beschimpfen ihn, andere werden sogar aggressiv.

Obdachlose erfahren häufig Gewalttaten körperlicher und psychischer Natur. Zudem kann das Gefühl, nicht erwünscht zu sein, die Betroffenen genauso verletzen wie direkte Angriffe. Menschen haben grundsätzlich das Bedürfnis wahrgenommen und geachtet zu werden.
 

Vorurteile und Feindseligkeiten müssen abgebaut werden...

Vorurteile und Feindseligkeiten müssen abgebaut werden...

Sabine, die auf der Straße lebt, möchte in einer Bar einen Tee trinken und die Toilette benützen. Die Kellnerin lässt sie gar nicht erst bestellen, sondern schickt sie wieder weg.

Obdachlosen wird oftmals nicht nur der Raum in der Innenstadt verweigert, sondern auch gleiches Mitspracherecht oder gleichwertiger und respektvoller Umgang. Vorurteile und Feindseligkeiten ihnen gegenüber müssen auf persönlicher sowie institutioneller Ebene abgebaut werden.