-FORUM VOICES- Zwischen Regelbrechen und Anzeigen

bild von mitarbeiter Sara Tauber Sara Tauber News 14.5.2020 Teilen
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Wohl noch nie hatte der Begriff „Denunziation“ ein Comeback wie in diesen Tagen. Ein Grund für uns, den Begriff mal genauer unter die Lupe zu nehmen:
Denunziation kommt aus dem Lateinischen: denunziare heißt so viel wie anzeigen. Dabei handelt es sich um die Anzeige einer (Straf)Tat. Dem Anzeigenden werden meist niedrige Beweggründe unterstellt. Es wird davon ausgegangen, dass sie selbst, in irgendeiner Art und Weise, vom Denunzieren profitieren oder anderen durch ihr Handeln schaden wollen. Besonders die aktuelle Lebens- und Gesetzessituation scheint das Denunziantentum zu fördern.

Im Gegensatz zur Zivilcourage oder dem sozialen Mut, ist Denunziation weniger ein öffentliches Bekunden von Ungerechtigkeiten, eigener Ansichten oder die Unterstützung von Personen, die Ungerechtigkeiten erleben. Es zeichnet sich vielmehr durch das „geheime“ Hinweisen auf einzelne Personen und deren vermeintlich gesetzeswidrigen Verhaltens aus. Wir wollen uns mögliche Motive und Hintergründe für das Denunziantentum, aber auch andere Verhaltensweisen in der aktuellen Ausnahmesituation genauer ansehen. Das was uns in unserem Verhalten leitet, kann vielfältig sein, einige Motive sind uns jedoch gemein.

Das Gefühl der Angst kennen wir wohl alle. Erhöhte Pulsfrequenz, Zittern, die körperliche Tendenz zu flüchten oder anzugreifen, die Gedanken drehen sich um die befürchteten Ausgangsszenarien. Mal lähmt Angst, mal macht sie aktiv. Manch einen macht sie körperlich geschäftig und er sucht in Zeiten von erhöhter Angst und vermehrtem Stress den Ausgleich durch Bewegung. So bspw. beim Wanderer, der trotz Ausgangsverbot durch den Wald spaziert. Eine Reaktion auf Angst kann jedoch auch sein, zu versuchen, das jeweilige Risiko möglichst gering zu halten. Wird persönlich bereits alles gemacht um dieses Risiko zu minimieren, kann auch der Versuch aufkommen, von anderen dieselben Verhaltensweisen einzufordern und so gegen die aufkommenden Unsicherheiten anzugehen. Dies bspw. dadurch, dass die Polizei über den Spaziergang des Nachbars informiert wird.
Einschränkende Lebensbedingungen, Unsicherheit, das Fehlen sozialer Kontakte – da kommen, neben Angst, noch weitere unangenehme Gefühle auf. Gefühle wie Wut und Ärger oder auch Neid, z.B. deshalb, weil die Nachbarin jeden Tag das Haus verlässt und gefühlt mehr Privilegien nutzt als man selbst, sucht sich häufig doch einen Kanal und kann auch dazu führen, andere öffentlich anzugreifen oder Meldung zu Gesetzesüberschreitungen zu machen. Bei anderen lösen diese Gefühle vielleicht reaktantes Verhalten aus – d.h. Gesetze werden erst recht absichtlich überschritten.
Ebenso haben wir alle ein gewisses Bedürfnis nach Kontrolle gemeinsam. Ein Gefühl von Kontrolle in und über unser Leben trägt auch zur psychischen Gesundheit bei. Nachvollziehbar und wichtig, dass Menschen, gerade in Situationen in denen eigene Kontrollmöglichkeiten geringer werden, nach Möglichkeiten suchen, diese zurückzuerlangen. Das kann sich dadurch äußern, dass Versäumnisse, wie ein schlecht sitzender Mundschutz bei anderen oder auch widrige Verhaltensweisen, wie das Spazierengehen mit einem Bekannten, angeprangert oder auch angezeigt werden und so versucht wird, Herr oder Frau einer Lage zu werden, die ansonsten wenig Kontrollmöglichkeiten zulässt. Ebenso möglich ist aber auch der Versuch, sich Handlungsspielraum zurückzuerobern, und als Reaktion auf diesen wahrgenommenen Kontrollverlust, Grenzen und Gesetze auszuloten und diese möglicherweise auch zu überschreiten.
Auch wenn die reine physische Zugehörigkeit zu anderen bzw. zu einer sozialen Gruppe gegenwärtig erschwert wird, ist das Bedürfnis nach Bindung und Beziehung dennoch wichtiges und häufig leitendes Thema unseres derzeitigen Verhaltens. Sei es bei der Überschreitung geltender Gesetze, aber auch bei der Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen. Trifft sich nun jemand mit Familienangehörigen oder Freund*innen, dann hat dies oft den Zweck, anderen nahe zu sein und soziale Zugehörigkeit zu empfinden. Halten wir uns an geltende rechtliche Normen, möchten wir grundsätzlich dasselbe. Denn aus den aktuellen rechtlichen Normen sind schnell auch soziale Normen geworden. Ein Regelverstoß würde (gefühlt) den Ausschluss aus einer sozialen Gruppe bedeuten. Viele Menschen befinden sich hier in einem Dilemma zwischen dem Wunsch, den Normen Folge zu leisten und andere zu schützen und auf der anderen Seite jedoch persönliche Bedürfnisse nicht zu kurz kommen zu lassen.

Wie wir uns in aktueller Situation verhalten, hat unterschiedliche Gründe. Wir haben alle unterschiedliche Lernerfahrungen in unserem bisherigen Leben gesammelt, Lebenssituationen und Persönlichkeitseigenschaften unterscheiden sich voneinander. Nicht verwunderlich, dass sich auch Reaktionen auf belastende Situationen nicht dieselben sind. „Unangenehme Gefühlszustände“ gehören zu normalen Reaktionen in Ausnahmesituationen. Die Reaktionen hierauf jedoch, können wir uns bewusst machen und hinterfragen. Denunziantes Verhalten hat einen Einfluss auf die Beziehungen zueinander. Es bildet sich ein Ungleichgewicht zwischen Menschen, Misstrauen entsteht, ebenso wie ein Gefühl nichts falsch machen zu dürfen und von anderen kontrolliert zu werden. Die Gesellschaft wird so gespaltet, es bricht vertrauen und schafft Konflikte.
 
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