Saugt das Smartphone unsere Kinder ein?

bild von mitarbeiter Manuel Oberkalmsteiner Manuel Oberkalmsteiner News 1.2.2018 Teilen

Wie Kinder die Medien nutzen und wie Eltern damit umgehen können - Ein Interview

Das Internet und dessen Medien haben viele unserer Lebensbereiche verändert. Die digitalen Begleiter helfen uns den Alltag zu organisieren und mit unser Familie und Freunden in Kontakt zu sein. Auch wenn die Digitalisierung alle Generationen erreicht hat, so stellt die Mediennutzung der eigenen Kinder viele Eltern vor eine große Herausforderung, vor allem dann, wenn Kinder ständig am Smartphone kleben und lieber Onlinespiele zocken als sich mit Freunden im Freien zu treffen.

Warum sind die digitalen Welten für junge Menschen so spannend und wie können wir Erwachsene und Eltern mit dieser digitalisierten Lebenswelt umgehen?
Auf diese Fragen geht Manuel Oberkalmsteiner (Forum Prävention – Fachstelle Sucht) in einem Interview des Schulnewsletter der Mittelschule Kastelruth ein. Das Interview kann in Auszügen hier nachgelesen werden.

 
Ab wann würdest du von einer problematischen Nutzung sprechen?
Eine problematische Nutzung ist dann vorhanden, wenn der Alltag, die Schule, Familie und Freizeitaktivitäten durch die Mediennutzung stark beeinträchtigt und vernachlässigt werden. Bei Jungs sind in dieser Hinsicht eher Videospiele das Thema, bei Mädchen eher die Online-Kommunikation. Problematisch wird es, wenn durch die exzessive Nutzung ein Leidensdruck für die Betroffenen entsteht, wenn Medien konsumiert werden müssen, um sich besser zu fühlen.
Wie sollen die Angehörigen Umfeld darauf reagieren?
Häufig ist eine exzessive Mediennutzung eine Phase, die wieder vorüber geht; ein neues Spiel oder ein neues Smartphone wird gerne mal intensiver genutzt. Wenn Kinder die Außenwelt aber völlig vernachlässigen, Vereinbarungen ständig gebrochen werden und Regeln nicht mehr weiterhelfen, dann kann man sich fragen:  Wie geht es meinem Kind? Gibt es mögliche Gründe für einen Rückzug? Wie sieht sein Umfeld Schule, Freizeit und Freunde aus? Ist das Kind ungünstigen Faktoren ausgesetzt, wie zum Beispiel Überforderung in der Schule oder Konflikten in der Familie?
Wenn es einen Verdacht gibt, dann kann man sich gerne für ein klärendes Erstgespräch an Hilfs- und Beratungsangebote in Südtirol wenden. Dies können Familienberatungsstellen sein, oder auch psychologische Dienste. Auch wir als Forum Prävention bieten Erstgespräche an.
Manuel Oberkalmsteiner
Würdest du eine Untergrenze festlegen, ab wann ein Kind ein Smartphone in die Hand bekommt?
Je später desto besser -nicht, weil diese Geräte eine Gefahr für die Entwicklung sein könnten, sondern weil die Zeit, wo die Welt noch ohne Bildschirm entdeckt werden kann, mittlerweile bereits sehr kurz ist. Sobald mein Kind ein Smartphone mit Internetzugang hat, nehme ich dem Kind die Möglichkeit weg, die Offline-Welt zu erkunden und zu entdecken. Häufig reicht ein internetloses Handy aus, um das Kind in Notfällen trotzdem zu erreichen. Leider ist es aber auch so, dass sobald die ersten Schulfreunde in der Grund- oder Mittelschule ein Smartphone erhalten, der Druck sehr schnell steigt auch dem eigenen Kind ein solches Gerät zu schenken. Zumindest der Versuch wäre es Wert, sich mit anderen Eltern abzusprechen Am besten ist es aber, das Kind beim Einstieg in die Medienwelt zu begleiten: gemeinsam soziale Netzwerke erkunden, über Privatsphäre und Daten sprechen, sich für die Apps und Videospiele der Kinder zu interessieren. Bleiben Sie einfach im Gespräch mit ihren Kindern, seien Sie neugierig und lassen Sie ihre Kinder nicht alleine. Jedes Kind ist anders, manche benötigen mehr Struktur und Regeln, andere merken selbst, wann es zu viel wird. Beides ist vollkommen in Ordnung. Medienfreie Zeiten für die ganze Familie sind aber immer empfehlenswert, zum Beispiel am Esstisch. Dadurch wird ein Platz für Gespräche, Diskussionen innerhalb der Familie ermöglicht. Besonders in den Nachtstunden haben Smartphones im Kinderzimmer nichts zu suchen. Alle SchülerInnen berichten, dass die Ablenkungsgefahr dort besonders groß ist.

Ist man als Erwachsener oder Eltern auch ein Vorbild?
Kinder wachsen in einer Welt auf, wo Erwachsene ein Gerät besitzen, das enorm wichtig zu sein scheint und mit dem sie sehr viel Zeit verbringen. Wenn ich am Spielplatz mit meinen Kind bin und ständig ins Smartphone starre, dann ist das weniger Zeit, die ich mit meinem Kind verbringe. Das Signal ist: Mama oder Papa sind abwesend. Das bedeutet nicht, dass Eltern keine Smartphones nutzen sollen. Aber wir können uns überlegen, wann es medienfreie Momente in der Familie geben soll, wo die Familie an erster Stelle steht und das Smartphone stumm bleibt.
Ich glaube auch, dass wir von unseren Kindern nicht einen kompetenten Umgang erwarten können, wenn wir ihnen kaum Möglichkeiten geben, diese auch zu erwerben. Schulen und Eltern beginnen leider nur zögerlich, sich mit den Themen Datenschutz, Privatsphäre, Selbstdarstellung usw. auseinanderzusetzen und den Kindern Verhaltensstrategien zu vermitteln.

Wo siehst du die großen Chancen der digitalen Welt, wie kann man die Vorteile nutzen, sodass diese die Nachteile überwiegen.
Auch wenn wir uns manchmal eine medienfreie Zeit oder entschleunigte Momente wünschen, haben wir uns längst schon an die Vorteile der Technik gewöhnt. Die Digitalisierung verändert uns und unsere Welt, keine Frage. Sie bringt viele Vorteile, aber auch viele Möglichkeiten, die mit Skepsis betrachtet werden müssen. Veränderungen waren immer schon mit Ängsten verbunden. Vor 200 Jahren sprach man zum Beispiel von der Lesesucht. Insbesondere Frauen und Jugendliche sollen sich dabei die Augen und den Charakter verdorben haben. Diese Ängste erwiesen sich als unberechtigt.
Wir befinden uns in einer permanenten Zeit der Veränderungen, wo wir uns ständig anpassen müssen. Auch der Umgang mit den neuen Technologien müssen wir alle erst erlernen, gemeinsame Verhaltensregeln im Netz müssen sich erst entwickeln. Darum sollten wir Mut haben, uns mit diesen Themen auseinanderzusetzen und gemeinsam ein gutes Leben mit und ohne digitale Medien anzustreben.
Wenn jemand heute in einer Gruppe kein Smartphone mit Internetanschluss besitzt, ist er dann ein Außenseiter?
Die digitalen Medien sind mittlerweile ein wichtiger Teil unseres Kulturgutes. Videospiele und YouTube-Stars sind die Dinge, worüber die Kinder im Pausenhof sprechen. So ähnlich wie wir uns vielleicht am Montag in der Schule über „Wetten Dass!?“ unterhalten haben. In den Schulklassen die ich besuche, gibt es immer zwei, drei Kinder die kein Smartphone besitzen und daher zum Teil auch aus bestimmten Lebensbereichen ausgeschlossen sind. Dies muss nicht immer auch negativ empfunden werden, für einige Kinder kann dies aber durchaus so sein.
Deshalb muss jede Familie selbst einschätzen, wann der richtige Moment für eine Smartphone-Nutzung für das eigene Kind ist. Wenn es zu einem Leidensdruck kommt, weil Eltern die Technik verweigern, dann kann das aber durchaus schwierig für das Kind werden.
„Glück gehabt“, bezieht sich dieser Titel eures „Workshops“ für Schüler*Innen auch auf die Spiele, die im Internet angeboten werden. Es wird vermutet, dass diese Onlinespiele junge Menschen an das Glücksspiel heranführen, das in Südtirol ja stark zunimmt. Ist diese Sorge berechtigt?
Glücksspielelemente in Video- und Smartphone-Spielen sind ein sehr aktuelles Thema. Einige der großen Spielehersteller stehen momentan unter Kritik, weil Elemente und Mechanismen in Spielen eingebaut wurden, die dem Glücksspiel sehr ähnlich sind. Unter anderem geht es um sogenannte „Lootboxen“; Das sind virtuelle Kisten, die Belohnungen wie Ausrüstung oder Waffen enthalten und die der Spieler kaufen kann, ohne vorher zu wissen, was drin steckt. Wenn Spiele schließlich nur noch zu bewältigen sind, wenn man zusätzliche Produkte nach dem Zufallsprinzip erwirbt, dann ist das sehr bedenklich.
Manche Anbieter wollen aber durch Slot- und Casinospiele explizit neue, junge Kunden an das Glücksspiel heranführen. In diesen kostenlosen Varianten ist vermutlich die Gewinnchance höher, als wenn ich dann später mit echtem Geld spiele.

Die Teilnahme an der Kommunikation im Netz ist heute ein Muss. Gibt es auch finanzielle Aspekte an dieser Tatsache? Sind den Familien diese Spesen bewusst? Sitzt das Geld hier lockerer?
Das Internet steckt voller wirtschaftlicher Interessen. Es werden ständig Anreize geschafft Produkte, Apps und Spiele zu kaufen oder zu abonnieren. Häufig sind es kleine Beträge, die nicht ins Gewicht fallen, aber in der Summe doch einiges ausmachen. Solche digitalen Micro-Käufe lassen uns aber schnell die Übersicht verlieren und erst die Abrechnung am Ende des Monats zeigt, dass wir dann doch einiges an Geld ausgegeben haben.

Wie sollen besorgte Eltern und Lehrer das Thema Handy und Computernutzung mit den Minderjährigen ansprechen, wie sollten sie allgemein reagieren, vorbeugen?
Wir sollten uns einfach die Mühe machen, uns nicht nur für die Schulnoten und Fußballergebnisse der Mannschaft der eigenen Kinder zu interessieren sondern eben auch für deren Mediennutzung. Wenn ich als Elternteil herablassend über Spiele, Apps oder YouTube-Stars spreche, dann bedeutet das, dass ich auch die Lebenswelt meines Kindes ablehne. Dadurch ziehen sich Kinder bei der Mediennutzug zurück, spielen heimlich und entziehen sich komplett der Kontrolle der Eltern.
Die digitalen Welten gehören genauso zum Leben wie die Offline-Welt. Wenn Kinder ein Smartphone erhalten, dann hilft es, gemeinsam diese Welt zu entdecken, Apps auszuprobieren, die Privatsphären-Einstellungen in sozialen Netzwerken gemeinsam zu erkunden. Wenn mein Kind gerne Videospiele spielt, kann man sich die Spiele gerne zeigen und erklären lassen.

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