Cyber-Mobbing ist jetzt in Italien gesetzlich strafbar

bild von mitarbeiter Sarah Trevisiol Sarah Trevisiol News 1.8.2017 Teilen

Foto: Pixabay

Das Parlament hat einstimmig das neue Gesetz über Cyber-Mobbing genehmigt. Die Präsidentin der Kammer Laura Boldrini hat diesen wichtigen Schritt in facto digitalen Personenschutz den Opfern von Cyber-Mobbing gewidmet, insbesondere Carolina Picchio. Die 14-jährige hat 2013 Suizid begangen, nachdem sie wiederholt im Netz gemobbt wurde. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen hat sie auf einer Party getrunken, bis ihr schlecht wurde und ihr einige Jungs ins Bad gefolgt sind, sie belästigt und das Ganze gefilmt haben. Das Video landete im Netz auf Facebook und wurde viral. Es folgten tausende von Kommentare, einige davon waren sehr verletzend und bösartig. Carolina hat sich immer mehr isoliert, bis sie beschloss, ins Leere zu springen, vom dritten Stock ihres Hauses in Novara.

Nach diesen tragischen Ereignissen hat die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung auf Facebook durchgeführt, welche zeigte, dass es kaum Kontrollen über die Verbreitung von Mobbing-Videos, wie jenes von Carolina, gibt.

Nach wenigen Jahren soll nun das Gesetz in Kraft treten. Dies führt nun dazu, dass Cyber-Mobbing erstmals als Gewaltakt definiert wird. Die genaue Beschreibung von Cyber-Mobbing sagt, es handelt sich um

„Jede Form von Druck, Aggression, Belästigung, Erpressung, Beleidigung, Verunglimpfung, Verleumdung, Identitätsdiebstahl; Änderung, widerrechtliche Wegnahme, Manipulation, illegale Verarbeitung personenbezogener Daten zum Nachteil des Minderjährigen, sowie die elektronische Verbreitung von Inhalten, welche ein oder mehrere Familienmitglieder betrifft, mit der Absicht, den Minderjährigen oder eine Gruppe zu isolieren um somit einen Akt von Missbrauch oder einen Angriff zu setzen, sowie ihn oder die Gruppe ins Lächerliche zu ziehen“. (Übersetzter Auszug vom Gesetzesentwurf).

Das Gesetz sieht vor, dass jeder Minderjährige ab 14 Jahren (auch ohne Wissen der Eltern), die Möglichkeit hat, direkt den Webseite-Manager aufzufordern, die „Cyber-Aggression“ zu verschleiern oder zu entfernen. Wenn die zuständige Person die Warnung ignoriert, kann das Opfer, gemeinsam mit den Eltern, die Staatspolizei, insbesondere die Post- und Kommunikationspolizei, kontaktieren, welche innerhalb von 48 Stunden verpflichtet ist, einzugreifen.

Zudem wurde auch ein virtuelles Anti-Stalking-Gesetz festgelegt, welches besagt, dass jeder „Bully“ über 14 Jahren von der Quästur eine Verwarnung erhält, solang keine Anzeige auf Verleumdung, Bedrohungen oder rechtswidrige Verarbeitung der Daten vorliegt. Diese Verwarnung hält bis zur Volljährigkeit an.

Jede Schule muss außerdem unter den Professoren einen Vorsitzenden ernennen/auswählen, der für die Kontrolle und Prävention von Cyber-Mobbing zuständig ist und falls nötig, mit den Polizeikräften arbeitet. Jede Schule ist verpflichtet, im Rahmen ihrer Autonomie, eine gezielte Internet-Bildung zu fördern und die SchülerInnen über die Rechte und Pflichten im Netz zu informieren.

Ein interministerieller technischer Vorstand ist für die Koordinierung der verschiedenen Interventionen verantwortlich und entwickelt einen vollständigen Plan gegen Cyber-Mobbing.

Dieses Gesetz ist ein wichtiger Meilenstein, um Cyber-Mobbing entgegenzuwirken. Es ist eine Realität, die leider immer häufiger schwere Schäden für die Opfer verursacht und daher in all seinen Erscheinungsformen bekämpft werden muss, sowohl auf präventiver Ebene als auch durch Bildungsmaßnahmen.

https://www.youtube.com/watch?v=ahuZSIiyBVg
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