Blue Whale - Informationen und Empfehlungen für Eltern und Erzieher

bild von mitarbeiter Peter Koler Peter Koler News 24.5.2017 Teilen

Foto: Pixabay

Seit einigen Tagen berichten italienische Medien von einer mysteriösen Challenge namens „Blue Whale“, die in einem russischen sozialen Netzwerk entstanden sein soll. Bei diesem „Spiel“ müssen die TeilnehmerInnen innerhalb eines Zeitraums von 50 Tagen sich selbst an die psychische und körperliche Grenzen bringen bis hin zum Suizid.

Diese Geschichte ist nicht offiziell bestätigt worden, die Berichterstattung ist vage, viele Medien haben die Zusammenhänge auf ihren Wahrheitsgehalt nicht geprüft. Vieles weist auf ein Fake hin. Es gibt keine Plattform oder App über die man sich anmelden kann. Ein Zusammenhang zwischen Suiziden unter Jugendlichen und einer solchen Challenge unter Jugendlichen ist nicht bestätigt. Eine Missinterpretation von Fakten kann dabei vermutet werden.

REAL ist aber, dass uns Erwachsenen – v.a. Eltern – solche Nachrichten Angst machen: das Internet scheint eine solche Macht auf unsere Kinder und Jugendlichen auszuüben, dass es diese in den Tod treiben könnte. Blue Whale wird der digitale böse Verführer.

Auch wenn diese Selbstmord-Challenge nicht belegt ist, so ist das Thema dennoch ernst zu nehmen.

Hier einige Anmerkungen und Fakten:
  • Es gibt im Internet zahlreiche Foren und Gruppen in sozialen Netzwerken die sich mit dem Thema Suizid auseinandersetzen. Die meisten Portale bieten Hilfe und Unterstützung für Menschen mit Selbstmordgedanken an. Es gibt aber Portale die negativen Einfluss auf die Personen mit Selbstmordgedanken üben.
  • Die „Blue Whale Challenge“ lässt sich als eine Art extreme Mutprobe einstufen. Mutproben gab es immer schon, sie gehören im Jugendalter dazu. Durch die sozialen Medien erreichen diese jedoch eine weltweite mediale Aufmerksamkeit mit Nachahmungseffekten. Gleichzeitig erhält man dadurch unter Gleichgesinnten und meist nur für einen kurzen Moment den sozialen Status eines „Held-Seins“. Meist spielt sich alles auf einem harmlosen Hintergrund ab, wie z.B. die Eisbucket-Challenge. Es gibt aber auch weit ernstere Mutproben wie das Filmen von Prügel- oder Prankvideos (Scherzvideos).
  • Auch Jugendliche setzen sich mit den Themen Tod und Selbstmord auseinander. In bestimmten Szenen dienen diese Themen zur Gemeinschaftsbildung und Identitätsbildung zu. In den meisten Fällen sind diese Auseinandersetzung harmlos.
  • Eine wichtige Frage bleibt: Schafft es unsere Welt nicht, Jugendlichen Anerkennung auf eine andere Art zu geben? Warum braucht es extremes Risikoverhalten? Jugendliche sind hohen Anforderungen ausgesetzt. Das Erwachsenwerden wird zunehmend komplexer und schwieriger. Eine eigene Persönlichkeit zu werden, ist ein stufenweiser Prozess mit vielen Herausforderungen. Die Gesellschaft, Ausbildung, aber auch soziale Medien üben hohen Druck aus, der sich v.a. über Leistungsforderungen zeigt. Es gibt Personen die diesen Druck nicht aushalten wollen oder können. Sie suchen andere Kanäle für Anerkennung oder Ventile zum „Druckausgleich“. Die Formel heißt dann: Anerkennung über Auffälligkeit.
  • Unter diesem Aspekt kann es einem jungen Menschen durchaus sinnvoll erscheinen, sich jetzt einen Fisch in den Unterarm zu ritzen oder sich einem enorm hohem Risiko auszusetzen. Damit gelangt er zu Aufmerksamkeit. Die Frage, die wir uns stellen sollen ist, welche andere, sanfteren Möglichkeiten wir haben, um das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit zu stillen?
Empfehlungen für Eltern und Erzieher:
  • Thematisieren. Sprechen Sie über das Thema, teilen Sie Ihre Sorgen mit. Sprechen Sie über die Risiken, die für Sie mit solchen Challenges oder anderen unangemessenen Internetangeboten wie Gewaltspielen, Videos u.ä. verbunden sind. Geben Sie aber auch Raum für die Fragen, Sorgen und Ängste der Kinder.
  • Eine Erklärung anbieten, Sicherheit geben. Für Kinder sind extreme Verhaltensweisen irritierend, sie verstehen sie nicht und können sie nicht einordnen. Auch Jugendliche brauchen Gespräche, um überfordernde Bildern und Nachrichten leichter einordnen zu können. Erwachsenen können Kinder die Verhaltensweisen verständlicher machen, wenn sie erklären welche Gefühle und Bedürfnisse dahinter stehen.
  • Regulieren Sie den Medienkonsum Ihrer Kinder! Schauen Sie was mit den Handys und in Internet gemacht wird. Regulieren Sie auch zeitlich die Mediennutzung. Ein Smartphone ist ein unzensiertes Tor in die digitale Welt. Man kann hinausschauen, die Welt schaut aber auch in dein Leben hinein! Am PC kann über Einstellungen und Programme die Nutzung beschränkt werden.
  • Positive Beziehungen und gute Aufwachs-Bedingungen. Achten Sie darauf, dass ihre Kinder gute Beziehungen leben können: in der Familie, in der Schule, mit Freunden. Positive Beziehungen sind die stärkste Kraft die wir haben, um den Herausforderungen des Lebens gut zu begegnen.
  • „Ich liebe dich so wie du bist!“ Das ist die wichtigste Botschaft die Kinder und Jugendliche brauchen. Sie brauchen verlässliche erwachsene Personen, von denen sie akzeptiert und angenommen werden. Die Anerkennung für Leistungen in der Schule, beim Sport oder sonstwo, können auch unterstützend sein. Sie kommen aber erst an zweiter Stelle.
Hier einige Links zum Thema „Blue Whale“:

http://www.mimikama.at/allgemein/hundert-todesfaelle-wegen-der-blue-whale-challenge/
http://thesubmarine.it/2017/05/15/blue-whale-cosa-ce-di-vero-nella-storia-del-gioco-del-suicidio/
http://www.butac.it/blue-whale-game-giornalismo/
http://www.snopes.com/blue-whale-game-suicides-russia/