Barbie wird 60

bild von mitarbeiter Raffaela Vanzetta Raffaela Vanzetta Info 9.3.2019 Facebook Teilen

foto Pixabay

Hommage an eine ewig Junge

Vor wenigen Tagen, am 9. März, ist eine Grande Dame unserer Gesellschaft 60 geworden. Und man sieht es ihr gar nicht an: die Barbie.
Vor genau 60 Jahren wurde die erste Barbie-Puppe auf der New Yorker Spielmesse als eine große Revolution vorgestellt. Bis dahin hatten Puppen die Funktion, Babys oder Kleinkinder zu repräsentieren, damit kleine Mädchen in die Mutterrolle schlüpfen konnten. Die Gründerin der Spielzeugmarke Mattel hatte aber beobachtet, dass ihre Tochter Barbara lieber mit den Anziehpuppen aus Papier spielte, ihnen erwachsene Rollen zusprach und sich mit ihnen als Erwachsene in Beziehung setzte. So beschloss sie eine Puppe zu produzieren, die es den Mädchen ermöglichte, in andere Rollen als nur jene der Mutter zu schlüpfen.

Die Grundidee der Barbie war also ein emanzipatorischer Gedanke, der den Mädchen neue Horizonte in ihrer Lebensplanung bieten sollte.
 
Nahezu jedes Mädchenzimmer der letzten 50 Jahre hat, glaube ich, einmal eine Barbiepuppe vorbeiziehen gesehen. Kaum andere Spielwaren sind so bekannt und präsent, wie die schicke, schlanke Puppe mit den langen blonden Haaren. Im Jahre 2018 wurden weltweit 3 Barbiepuppen pro Sekunde verkauft. Von der emanzipatorischen Grundidee ist jedoch nicht viel zu sehen. Barbie ist zwar nicht Mutter, aber Prinzessin oder Meeresjungfrau, immer schlank und vollbusig, die Füße bereit für hohe Stöckelschuhe.
Mit dieser Darstellung einer stereotypen Schönheit und ihren irrealen Körperformen hat die Puppe viele Kritiken auf sich gezogen, aber die Hersteller haben stets darauf reagiert.
In den 70er und 80er Jahren wurde versucht, den Mädchen über die Barbie den Zugang zu neuen Rollen zu verschaffen. Die Barbie als Astronautin, Feuerwehrsfrau oder Pilotin sollte die Idee vermitteln, dass auch Frauen Berufe anstreben können, die bis dahin Männerdomäne waren. Der Erfolg war nicht besonders groß. Bald waren in den Regalen wieder nur Puppen mit Ballkleidern, Pailletten und Strandrobe zu finden.
 
Eine der häufigsten Kritiken gegen die Puppe war, dass ihre unrealistischen Körpermaße bei jungen Mädchen den Wunsch nach einem dürren Körper wecken und somit zur Magersucht anstiften. Die American Psychological Association veröffentlichte 2010 eine Studie, bei der Wissenschaftler der University of Sussex bewiesen, dass Mädchen, die lange mit einer Barbiepuppe gespielt hatten, eine größere Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper entwickelten, als Mädchen, die mit der Puppe nie in Kontakt kamen.
Auch ich hatte zum 50sten Geburtstag der Barbie im Jahre 2009 einen kritischen Artikel geschrieben, in dem ich sie beschuldigte, Spiegel einer Gesellschaft zu sein, die Frauen nur schlank und schön wollte. Damals war die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper bei jungen Mädchen laut ASTAT Jugendstudie in ständigem Zunehmen begriffen.
 
2013 beschloss der amerikanische Künstler Nickolay Lamm (ein Mann!!) eine Barbiepuppe mit normalen Körpermaßen zu produzieren und sie neben der klassischen Puppe aufzustellen. Er berechnete den Durchschnitt der Maße von 2000 jungen Amerikanerinnen und ließ mit einem 3D Drucker eine Barbie erstellen, die kleiner und breiter war, als jene, die wir kennen.
 
Die Bilder kamen um die Welt und wieder regnete es Kritiken auf die bekannte Grande Dame der Spielwaren.
Die Reaktion der Produktionsfirma ließ nicht auf sich warten und bereits zwei Jahre später gab es Barbie-Puppen in verschiedenen Größen: die Barbie tall und die Barbie curvy, die gemeinsam mit Puppen anderer Haut- und Haarfarbe den Mädchen die Möglichkeit bieten sollten, die eigene Vorliebe zu wählen und sich mit einer größeren Vielfalt zu identifizieren.
 
Laut einem Spielzeugverkäufer in unserem Lande ist die schlanke blonde immer noch die meist verkaufte Puppe. Aber vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit.
Vielleicht bläst der Wind der Veränderung.
Laut ASTAT Jugendstudie waren 2009 50,4% der jungen Mädchen mit ihrem Körper zufrieden. 2016 waren es bereits 54,9%.
Allerdings haben 2016 20,7% der Mädchen behauptet, sie würden sich einer chirurgischen Operation unterzeihen, um ihr Aussehen zu verbessern, während es 2009 nur 13,3% waren.
Das Geschäft der Schönheitschirurgie hat sich in den letzten zehn Jahren verhundertfacht. War es vor einigen Jahren doch noch ein wenig verpönt, sich aus rein ästhetischen Gründen auf einen OP Tisch zu legen, werden heute chirurgische Eingriffe mit Kosmetik wie das Haare färben verglichen.
Plastische Chirurgen berichten, dass sie von ihren Kundinnen oft mit dem Wunsch konfrontiert werden, wie eine Barbie-Puppe auszusehen. Daher ist bereits der Begriffe des Barbie- und Ken-Syndroms geprägt worden. Damit ist eine Störung gemeint, bei der die Betroffenen keine klar definierte Identität haben, sich herumschauen und nach beliebten Vorbildern suchen, denen sie entsprechen wollen, um genauso beliebt zu werden.
 
Barbie ist also beliebt und sie ist Bestandteil unserer Kultur. Wir brauchen sie nich tu verteufeln oder eine tragische Wirkung auf die Entwicklung kleiner Mädchen zu befürchten. Wir sollten bloß das Bewusstsein entwickeln, dass die Barbie, so wie viele andere Spielsachen auch, unsere Kinder ein wenig prägt. Wichtig ist, mit ihnen darüber zu reden und eine kritische Auseinandersetzung der Kinder zu ermöglichen, damit sie sich nicht vergleichen. Die Barbie ist hübsch, aber du bist noch viel viel schöner.
 
Raffaela Vanzetta
Koordiantorin INFES
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